helmut-silvester

Feuerwerk

Heut‘ laßt uns kein Pulver schonen,
schießet, daß es pufft und kracht,
aus den Büchsen, den Kanonen
schießet Breschen in die Nacht.

Auf! laßt die Raketen steigen,
brennt die röm’schen Lichter los,
Feuerwerk, du sollst dich zeigen,
daß sich freue Klein und Groß.

Wie sie steigen, wie sie fallen,
Stern an Sternlein in der Luft,
laßt es prallen, laßt es knallen,
bis der letzte Knall verpufft!

Frische krachen, Schlangen zischen,
Feuerteufel Feuer spei’n,
Räder schwirren und dazwischen
schwärmen all die Schwärmer drein.

Schwarz sind schon Gesicht und Hände,
und noch schwarzer ist die Nacht,
o so leucht‘ uns denn zu Ende
noch der goldnen Sonne Pracht.

Wie in tausend Feuerfarben
ihr geliebtes Bild erscheint,
wie zu Kränzen, wie zu Garben
sich die Flammensaat vereint.

Eines um das Andre tauchet
aus der Fluthen Gluth empor.
Bis verhauchet, bis verrauchet
auch der letzte Sonnenflor.

Nun, noch einmal die Raketen,
daß es pufft und daß es kracht,
löst noch einmal die Laveten,
puff! und paff! — und gute Nacht.

Karl Rudolf Hagenbach (1801-1874)
Schweizer Theologe und Kirchenhistoriker

*

Ausgesucht zu den

„KÖLNER-LICHTER“

2017

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