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Juni

Nächte hat er, weich und schwer.
… Durch das offne Kammerfenster
strömt der Junigeister Heer,
strömen all die Duftgespenster

vom Jasmin, Akazienstrauch,
von dem lilafarbnen Flieder,
und ein übermächtger Hauch
löst die tagesmüden Glieder.

Auch die Rosen wollen schon
ersten Duft zum Träumer tragen;
in dem Drängen klingt ein Ton
nach vom Nachtigallenschlagen.

O du weiche, schwere Nacht,
sing nun noch das Lied der Lieder,
singe von der höchsten Macht:
von der Liebe sing mir wieder!

Karl Ernst Knodt (1856-1917)

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