Helmut 35

An die Rose

Rose, komm! der Frühling schwindet,
Veilchen haben dich verkündet,
Maienblumen starben hin;
öffne dich beim Lustgetöne
dieser Fluren; komm o schöne
holde Blumenkönigin!

Als du kamst im ersten Lenze,
hingen tausendfache Kränze
schon um Anger, Berg und Tal;
Ufer lockten, Wälder blühten,
Pomeranzen-Haine glühten
weit umher im Sonnenstrahl.

Und du gingst mit leisem Beben
aus der zarten Knosp‘ ins Leben;
Erd‘ und Himmel neigten sich;
und es huldigten die Wiesen;
Nachtigallenchöre priesen,
alle Nymphen liebten dich.

Goldne Schmetterlinge schlugen
froh die Flügel; Winde trugen,
wo die Luft in Jubel war,
deinen Balsam; Herzen pochten
dir entgegen; Mädchen flochten
unter Perlen dich ins Haar.

Johann Georg Jacobi (1740-1814)

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