Helmut 76

Frühlingskinder im bunten Gedränge,
flatternde Blüthen, duftende Hauche,
schmachtende, jubelnde Liebesgesänge
stürzen an’s Herz mir aus jedem Strauche.

Frühlingskinder mein Herz umschwärmen,
flüstern hinein mit schmeichelnden Worten,
rufen hinein mit trunkenem Lärmen,
rütteln an längst verschlossenen Pforten.

Frühlingskinder, mein Herz umringend,
was doch sucht ihr darin so dringend?
Hab‘ ich’s verrathen euch jüngst im Traume,
schlummernd unter dem Blüthenbaume?

Brachten euch Morgenwinde die Sage,
daß ich im Herzen eingeschlossen
euren lieblichen Spielgenossen,
heimlich und selig – ihr Bildniß trage?

Nikolaus Lenau (1802 – 1850)

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