helmut-la-15

Frühlingsmorgen

Leuchtend brach der Strahl der Sonne,
aus den weißen Nebelfluthen,
als ich heut‘ am frühen Morgen
durch die thaubenetzte Wiese
kummervollen Herzens hinschlich;
und die morgenfrische Erde
streckte alle ihre Glieder,
Blätter, Blüthen, Halme, Gräser –
alle durstend ihm entgegen.
Ach, wenn also Deiner Liebe
seligsüßer Strahl doch endlich
segnend auf mich niederthaute,
jene Nebel hell durchbrechend,
die von allen Seiten trübe
meines Lebens Pfad umfließen –
wenn ich endlich, gleich der Erde,
die im Glanz der Sonne badet,
in dem Glanze Deiner Liebe
meine Seele baden dürfte!

Wilhelm Arent (1864 – um 1910)

Advertisements