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Dämmerung im Vorfrühling

Der Tag bleicht. Letzte Helligkeit
quillt aus dem ebenmässigen Gewölk.

Die Erde trocken und befreit
von Schnee; nur hie und da die Spur
von dünnem Eise, wie Glasur.

Die Dunkelheit wächst sanft und stät;
ein Licht, das aufblitzt, glimmt noch matt;
die Kinder spielen noch so spät,
der Tagesfreuden nimmer satt.

Die Menschen schreiten säumig, wie verführt;
und atmend heben sie das Kinn
so an die Luft, als läge drin
für sie ein Etwas, das den Sinn
wie eine wahre Seligkeit berührt.

Hedwig Lachmann (1865 – 1918)

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