Auf dem Pfade durch den Wald
bin letzthin ich gegangen;
rechts und links die Bäume all
sind mit Schnee behangen.
Keinen Laut hört ich im Wald.
Wo sonst Quellen flossen,
da herrscht jetzt des Eises Hauch:
Bächlein sind verschlossen.

Keinen frohen Vogelsang,
keinen bunten Reigen!
Kurz, kein einziger Lebenshauch
will sich ringsum zeigen.
Totenstille herrscht ringsher,
öder Wald, wie düster!
Doch dort drüben in dem Tann
hör ich ein Geflüster.

Wie ich horchte angespannt,
hörte ich voll Staunen,
daß die Büsche, Tannen all
leis zusammenraunen.
Sie erzählen leis, ganz leis
von den Frühlingstagen,
daß bald, bald, trotz Schnee und Eis,
wird die Amsel schlagen.

Daß das zarte Grün bald sproßt,
und die Quellen springen,
daß bald wieder Blümlein blühn
drunten in den Klingen.
Wie ich’s hatte nun erlauscht,
ging ich still von dannen;
also auch trotz Frost und Schnee
frühlingsfrohes Ahnen!

Regine Merkle (1875 – 1903)

Advertisements