Im nebelnden Abend

Wir saßen im nebelnden Abend
auf der Bergbank über der Stadt.
Und unsere Gedanken vergaßen
den Tag, der noch eben versank.

Sternlos stand der Himmel, wie ohne Dank,
nur im Tal sich Licht bei Licht einfand.
Dort rückten die Häuser zur Nacht ganz dicht
und saßen im Nebel, wie ohne Land.

Ein guter Duft von welkem Laub
hing wie Honigwaben bei uns in der Luft,
als stand irgendwo hinter dem Nebelrauch
ein süßer atmender Blumenstrauch;

als sind bei den Worten, die du gesprochen,
viele Blumen rings aus der Erde gekrochen
und haben den Herbst und die Nebel vertrieben,
warme Worte, die den ewigen Frühling lieben.

Max Dauthendey (1867-1918)

Eine einzige Nacht: an deinem Herzen! –
Das andre gibt sich.
Es trennet uns noch Amor in Nebel und Nacht.

Goethe

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