Es stand ein junger Blütenbaum

Es stand ein junger Blütenbaum
umspielt vom lauen Weste,
der träumte süßen Morgentraum,
und wiegte seine Äste!

Wir träumten wunderholden Traum
im morgenklaren Maien,
belauscht, umrauscht vom Blütenbaum,
zu zweien dort, zu zweien!

Er stand im Morgensonnenglanz
und wiegte seine Äste,
da fiel ein reicher Blütenkranz
verweht vom lauen Weste!

Da fiel uns reicher Blütenschnee
auf Brust und Stirn und Locken,
in Sonnennäh‘, in Sonnenhöh‘,
umtönt von Morgenglocken!

Gegrüßt! gegrüßt! Lenzsonnenglanz,
im morgenklaren Maien.
Du traumumperlter Blütenkranz,
gegrüßt! gegrüßt zu zweien!

Amanda Ullmann (1860-1895)

*

Die ganze Natur ist eine Melodie,
in der eine tiefe Harmonie verborgen ist.
Die Natur schafft ewig neue Gestalten;
was da ist, war noch nie, was da war –
kommt nicht wieder – alles ist neu
und dennoch immer das Alte.

Johann Wolfgang von Goethe

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