An meine Mutter

So gern hätt‘ ich ein schönes Lied gemacht
von deiner Liebe, deiner treuen Weise;
die Gabe, die für andre immer wacht,
hätt‘ ich so gern geweckt zu deinem Preise.

Doch wie ich auch gesonnen mehr und mehr,
und wie ich auch die Reime mochte stellen,
des Herzens Fluten wallten darüber her,
zerstörten mir des Liedes zarte Wellen.

So nimm die einfach schlichte Gaben hin,
von einfach ungeschmücktem Wort getragen,
und meine ganze Seele nimm darin:
Wo man am meisten fühlt, weiß man nicht viel zu sagen.

Annette von Droste-Hülshoff

*

Und sank die Sonn‘, die Glück dir schien,
dann flüchte zu der Mutter hin,
bist nimmer arm, nie ganz allein,
nennst eine Mutter du noch dein!

Johanna Ambrosius (1854-1939)

*

Ich wünsche allen einen schönen Muttertag!

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