Frühlings-Hymne

Dieser blaue Frühlingsmorgen-Himmel
und dies junge frische Blattgewimmel,
drin der Wind von Ast zu Aste springt –
bis sich Blatt mit Blatt im Tanze schwingt –

Diese Flitterwochenzeit der Bäume,
ihre ersten Sonnen-Blütenträume
unterm blauen Hochzeitsbaldachin –
dieses golddurchwirkte Farbenglühn …

O, dies unaussprechlich zarte Beben,
Leib-inLeib- und Seel-in-Seel-Verweben,
dies Beseeltsein stummster Kreatur,
offenbarend ihre Gottnatur! …

Bad dich nun, mein Herz, von Staub und Asche!
Wind und Sonne deine Pulse wasche!
Tauche ganz ins golden-grüne Meer!
Wirf im goldnen Blau
deiner Sehnsucht Arme hin und her! …

Ludwig Scharf (1864–1938)
deutscher Lyriker

*

„Ein Veilchen in der Jugend der Natur,
frühzeitig, nicht beständig – süß, nicht dauernd,
nur Duft und Labsal eines Augenblicks.“

William Shakespeare (1564 – 1616)

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