Der Wind hat Stimme bekommen,
er geht um die Häuser mit Grollen,
er hat einen Anlauf genommen
und weht die Wolken zu Hauf.

Er bringt die Stille ins Rollen,
er leckt den Schnee an den Bergen auf
und taumelt die Straßen entlang
wie ein Trunkenbold mit Tollen und Sang.

Er möchte mit krassen Gelüsten
aufbauen und verwüsten,
er ruft Namen aus, die verschollen,
hetzt Geister auf, die sich brüsten sollen,
und setzt wie ein Meister ein großes Wort in die Luft.

Aber er bleibt an keinem Ort;
er drückt an das Tor,
machst du auf, — ist er fort,
wie einer, der falsche Liebe schwor.

Max Dauthendey (1887-1918)

*

Allen eine gute Woche.

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