Der Regen, das lebende Frühlingszeichen,
will den Winterboden unter den Füßen aufweichen,
und die Erde hält still auf allen Wegen.

Jetzt muss sich der Regen in Dornen noch legen.
bald wird er wieder durchs Gras hinstreichen,
und kein Tag wird mehr dem ändern gleichen.

Die Stunden werden dann wieder verwegen,
die Füße wandern dann ungebunden,
und die Liebe wird wieder von allen erfunden.

Alle handeln, wie die Herzen müssen
meine Ohren horchen in die Nacht,
wie der Regen seinen Tanzschritt macht.

Ruhe, eine der uralten Ammen,
singt ihr Lied mit Dunkelheit zusammen,
und der Regen tanzt auf flinken Füßen.

Alle handeln, wie die Herzen müssen,
alle wandeln frisch und unverfroren.

Nur die Liebe wird mit Angst geboren,
nur der Sehnsucht ruhen nie die Ohren.

Max Dauthendey (1867-1918)

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